Dallas Cowboys – Ein ewiges Auf und Ab

Platz eins in der Division, 6:4 Record und 1,5 Spiele Vorsprung in der Division. Das hört sich gut an und man kann auch zuversichtlich in die Zukunft schauen. Aber so richtig weiß man immer noch nicht, was genau die Dallas Cowboys in diesem Jahr bisher sind. Vor der Saison war ich sehr zuversichtlich und nach dem Start euphorisch. Mittlerweile bin ich ständig hin und her gerissen und die Leistungen schwanken doch teilweise sehr.

„In Dak we trust“

Es wird sehr eng in der NFC East und derzeit sind die Dallas Cowboys an Platz eins. Allerdings sind sie nur 1,5 Spiele vor den Philadelphia Eagles und mit 6:4 sieht es wohl eher so aus, als ob nur der Division Sieger in die Playoffs einziehen wird. Das wird auch so bleiben, es sei denn beide Teams starten nun eine „Winning Streak“. Wenn ich mir den Schedule so anschaue, ist das auf jeden Fall bei den Cowboys doch eher fraglich.

Ich bin von einer ähnlichen Konstellation ausgegangen, allerdings habe ich einen anderen Verlauf erwartet. Die Cowboys sind zwar erster, allerdings habe ich nicht damit gerechnet, dass sie eine der stärksten Offensiven in der NFL haben. Und dann auch noch in der „Passing Offense“. In der Vorab-Analyse hatte ich schon vermutet, dass Dak Prescott eine weitere Entwicklung durchlaufen wird, allerdings habe selbst ich nicht damit gerechnet, dass er derart stark spielt.

Die aktuellen Statistiken sprechen dabei Bände… Meiste Passing Yards, drittmeiste Touchdowns, nur 12 Sacks und ein Rating von 104.1. Das liest sich hervorragend und Dak spielt wirklich gut. Aber auch neben den Stats alleine kann er überzeugen. Die Audibles, die Passauswahl, die Clutch-Pässe…es gibt derzeit wenig, was es zu bemängeln gibt an seiner Performance. Naja ganz so rosig ist dann doch nicht alles. Die Cowboys sammeln auch die meisten „3 and outs“ und oft brauchen sie 3-4 Versuche, bis die Offense ins Rollen kommt. Aber dann hat sie fast immer performt.

Die Receiver können ebenfalls sehr überzeugen. Michael Gallup beispielsweise wird immer mehr zum Possession Catcher, ohne seine Schnelligkeit zu verlieren. Mehr und mehr kann er seine Drop-Probleme abstellen und weiß häufig zu überzeugen. Cooper kann sein Niveau seit seinem Trade zu den Dallas Cowboys halten und Slot Receiver Cobb hat ebenfalls enorm eingeschlagen. Er aber leidet weiterhin an starken Drop-Problemen.

Und jetzt kommen die Probleme

Ich bin nicht sicher, ob es ein Problem ist, aber Zeke Elliot performt derzeit noch nicht auf seinem Level. Dabei bin ich nicht mal sicher, ob es seine Schuld ist. Die Defenses haben sich extrem auf ihn eingestellt und wissen um seine Gefahr. Daher haben sie relativ oft einen Fokus auf die Run Defense. Auch deshalb profitiert das Passing Game so enorm.

Zeke schafft es in den meisten Spielen, ein einigermaßen funktionierendes Running Game zu etablieren. Es sind aber deutlich weniger Big Plays dabei und ich habe definitiv das Gefühl, er hat etwas an Geschwindigkeit verloren. Dennoch spielt er eine gute Saison bisher. Nur die Konstanz fehlt etwas.

Und das ist auch das große Problem der Cowboys. Sie spielen extrem inkonstant. Selbst innerhalb eines Spiels schwanken sie teilweise enorm und es ist ein auf und ab. Das gestrige Spiel gegen die Detroit Lions war wieder ein gutes Beispiel. Man hat schwach begonnen, hat dann den Gegner total dominiert und am Ende hat man sich nochmal Schwächen erlaubt. Am Ende gab es den enorm wichtigen 35:27 Auswärtssieg.

Es kommt leider sehr oft vor, dass vor allem der Anfang eines Spiels komplett verschlafen wird. Es passieren viele Fehler, Ballverluste und dann läuft man einem Rückstand hinterher. Besonders fatal war das zum Beispiel gegen die Green Bay Packers. Am Ende hat man den Rückstand nicht mehr aufholen können. Das ist extrem ärgerlich, da man auch bei diesen schlechten Spielen bzw. Niederlagen sehen konnte, dass man eigentlich ein sehr starkes Team hat.

Man schießt sich dadurch ständig selbst ins Knie und muss immer wieder hinterher rennen. Ein weiteres Problem ist teilweise das völlig verrückte Play Calling in der Red Zone. Ich weiß nicht, ob Dak es sehen müsste oder ob genau der Spielzug durchgezogen werden muss, aber manchmal liegt man völlig daneben. Es werden teilweise extrem komplizierte Laufvariationen versucht, obwohl der Run an diesem Tag nicht klappt (siehe Vikings Game). Es wurde auch versucht ein Trick-Run Play mit Dak zu machen, wo man an der Aufstellung schon erkennen konnte, dass es nichts wird. Da wünschte ich mir, man wäre schlauer und überlässt es dem QB den Spielzug zu verändern. Im letzten Spiel gegen die Lions hat man genau das getan und Dak hat geliefert und dann im richtigen Moment auch Elliot.

Die Überraschung ist die Defense

Das derzeitige Problem liegt aber auch in der Defense. Die Cowboys bekommen relativ viele Punkte gegen sich. Die einzelnen Stats lesen sich zwar gar nicht so schlecht, aber irgendwie kommen die Gegner trotzdem immer weider zu punkten. Besonders auffällig ist hierbei das Verhalten bei Play-Action Spielzügen. Die Cowboys kommen dann immer wieder in Bedrängnis. Kurze Screen Pässe, Scrambling und die QB-Runs sind immer wieder ein Mittel, um der Defense zu schaden. Auch CB Awuzie ist manchmal genial, manchmal aber auch einfach nur überfordert.

Das ist natürlich auch den anderen Teams aufgefallen und sie nutzen es aus. Ein weiterer Punkt sind Undiszipliniertheiten. Schafft man es, den Gegner im dritten Down auf 6 Yards zu halten oder aber gar ins vierte Down zu zwingen, dann kommen Offsides, Personal Fouls oder ähnliches immer wieder dazwischen. So bringt man sich um seine vorherige Arbeit. Ein anderes Problem sind die Turnover der Offense. Egal ob Giants oder Lions, die Ballverluste in der eigenen Red Zone haben den Cowboys schon oft weh getan und auf Dauer kann das selbst die bisher funktionierende Offense nicht bewältigen. Was passiert, wenn die Offense mal nicht funktioniert, hat man dann im Spiel des Grauens gegen die New York Jets gesehen.

Wo geht die Reise hin?

Ich glaube die bisherigen Stärken können so ganz gut zusammengefasst werden. Man kann sicherlich bei einzelnen Punkte viel genauer hinschauen. Auch kann man bei Dak zum Beispiel anders argumentieren, allerdings im Grunde bleibt unter dem Strich, dass die Cowboys ein starkes Team haben.

Allerdings haben sie auch deutliche Schwächen und immer wieder stoßen sie entweder an Ihre Grenzen oder aber sie schießen sich selbst ins Bein. Mein Kollege Sturmhammer sagt immer wieder, das er immer noch nicht weiß, ob sie nun gut sind. Der Zauberer sagt, es muss alles passen, damit sie gewinnen. Ich selbst glaube sie sind stark genug jeden zu schlagen, sind aber vielleicht zu jung und zu dumm. Vielleicht ist auch im Coaching Staff noch die ein oder andere Optimierung drin, allerdings bin ich nicht tief genug drin um bewerten zu können, wer da was coacht und welchen Einfluss hat.

Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte. Es steht außer Frage, dass die Cowboys enorm stark spielen können und das sie gegen jeden Gegner punkten können. Das gerade die Offense so stark ist, damit hat bestimmt nicht jeder gerechnet. Auf der anderen Seite hat man die Defense sicherlich stärker eingeschätzt. Zumindest ist es bei mir so.

Die nächsten Spiele sind enorm wichtig und ich glaube es ist an der Zeit, dass sie nun endlich den nächsten Schritt gehen und die Patriots schlagen. Bei den Vikings war man nah dran, jetzt kommt das nächste Spiel und der nächste Versuch. Sollten sie bei den Patriots gewinnen, dann können sie auch vielleicht sich selbst überzeugen. Sollte man nicht aufgrund dessen in Arroganz verfallen, könnte ein derartiger Push nochmal einiges bewirken.

Sollten sie aber verlieren, dann ist die Saison nicht gleich verloren. Aber es wird natürlich immer schwerer und ich vermute, dass die Eagles zum Ende hin nochmal zulegen können. Ihr Schedule sollte ihnen helfen, allerdings kommen zunächst die Seahawks. Dallas hat also eine sehr große Chance auf 2,5 Siege davon zu ziehen, sollten die Eagles verlieren.

Ich traue es den Cowboys zu. Sie haben aus allen schlechteren Spielen immer etwas mitgenommen. Aus dem Vikings Spiel war es zuletzt wie beschrieben das Red Zone Playcalling, was man den jetzt gegen die Lions verbessert hat. Man vertraut Dak und „in Dak we trust“. Wenn man es jetzt noch schafft auch von vornherein fokussiert zu sein, dann kann man die Pats schlagen. Die Pats allerdings sind ein sehr gutes Team. Nicht immer überragend, aber auf den Punkt da. Das ist genau das, was Dallas auch braucht und ich glaube sie schaffen es. Die Patriots Defense ist zwar brutal stark, aber Dallas kann auch dort bestehen.

Am Ende werden die Cowboys in die Playoffs einziehen, weil sie einfach immer weiter dazu lernen und das junge Team verbessert sich stetig. Ich glaube weiterhin daran, dass Dak ein Star Quarterback wird. Er wird vielleicht kein Superstar, der alles allein durch seine Qualität gewinnen wird, aber er wird dafür kämpfen und es sich verdienen. Ich bleibe auch bei meinem Tipp, dass die Cowboys den Superbowl holen. Das Talent ist da. Es ist natürlich auch ein Tipp aus Liebe, aber es ist auch nicht das dümmste der Welt das zu tippen. Ob er realistisch ist? Lasst uns mal sehen, ob sie es auf die Straße bringen.

Frostmourne

One Reply to “Dallas Cowboys – Ein ewiges Auf und Ab”

  1. Das fasst die bisherige Saison doch sehr gut zusammen.
    Schön geschrieben.
    Drücken wir die Daumen, dass Dak weiter so zaubert und die Defense noch ein bisschen Schwung findet, damit die „Road to SB LIV“ auch bis zum Ziel führt.

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