Eli Manning tritt ab – ein persönlicher Nachruf

Eli Manning tritt ab von der großen Football-Bühne. Nach 16 Jahren Big Blue macht Nummer 10 Schluss. Nachdem ich im Laufe der Saison schon mal einen ersten Eindruck davon gewinnen konnte wie es sein wird einen anderen Spieler under center an zu feuern und an zu schreien, wird es in der neuen Saison doch ein komplett neues Gefühl für mich sein. Denn das erste Mal seit ich die NFL intensiv verfolge, wird Eli nicht da sein.

Das erste Mal sah ich Eli im Superbowl 42 gegen die New England Patriots spielen. Da ich von jeher immer eher dem Underdog die Daumen drücke, war in dem Spiel glasklar wen ich gewinnen sehen wollte. Eigentlich nichts ahnend was da auf dem Feld spielerisch passierte und wie unwahrscheinlich es eigentlich war, dass die Giants die Patriots tatsächlich schlagen würden, schaute ich also dieses Endspiel. Es sollte sich als einer der größten Upsets aller Zeiten im Sport erweisen. Und für mich persönlich begann meine ultimative Liebe zu diesem Team aus New York und eben auch zu Nr. 10 Eli Manning.

Selbst im absoluten Moment des Triumphs war nicht mehr als ein kurzer Siegesschrei nach dem spielentscheidenden Touchdown und ein anschließendes Grinsen bei der Trophäenübergabe bei Eli zu beobachten. Würde jemand den Quarterback als phlegmatisch beschreiben, ich könnte eigentlich nicht widersprechen. Dennoch wirkte es über seine gesamte Karriere eher auf mich so, als wenn er einfach seinen Job erledigt. Und so auch in diesem Moment des bis dahin größten Erfolgs seiner jungen Karriere. Und nebenbei gesagt meinem absoluten Lieblingsmoment in der Sporthistorie. Auch 4 Jahre später beim erneuten Sieg über die Pats im Superbowl 46 verhielt sich Eli nicht anders.

Seine Art ist nicht jedermanns Sache, das verstehe ich durchaus. Er war nicht sonderlich emotional auf dem Feld, was eher untypisch für einen Footballspieler ist. Auch durch kontroverses Verhalten oder Aussagen fällt er nicht auf. Und er ist auch definitiv nicht derjenige, welcher immer voran und als erster durch die Tür geht. Zumindest sehe ich ihn nicht so. Eli tat viel mehr das was in seinen Augen das Richtige war. Er erledigte seinen Job und versuchte einfach immer besser zu werden. Und dies tat er – Tag ein Tag aus. Egal ob Eli unter guten oder schlechten Umständen und Voraussetzungen spielen musste, er ging raus und erledigte beinahe stoisch seine Arbeit. Selbst im Moment der Demütigung durch Ben McAdoo, als er in der Spielzeit 2017 gebenched wurde, bewies Eli seine Klasse und versuchte nur für seinen Ersatz Geno Smith da und seinem Team ein guter Teamkamerad zu sein.

Ob Manning in die Hall of Fame gehört ist mir ziemlich egal. Alle Pro und Cons finden definitiv hier ihre Berechtigung. Seien es die 2 Superbowl-Siege plus die dazugehörenden Superbowl-MVP-Trophäen auf der Habenseite. Oder die schlechten negativen individuellen Statistiken mit vielen Interceptions und eine Gewinnquote von 117-117 auf der anderen Seite.

Für mich ist viel entscheidender das ein toller Quarterback und Teamkamerad mein Lieblingsteam verlässt. Jemand der so endlich Clutch sein konnte im entscheidenden Moment. Jemand der ein Spiel scheinbar so dermaßen wegwerfen konnte, dass ich den Fernseher anschrie. Nur um dann im Anschluss nach einem erneuten Turnover aufs Feld zurück zu kehren um einfach weiter zu machen und den spielentscheidenden Touchdown warf. Jemand der mich mit seiner Art manchmal wahnsinnig machte, und dennoch ein Ruhepol für das gesamte Team über 16 Jahre war. Und jemand den ich wahrlich vermissen werde.

I still believe in Eli!