Fair Play im Fussball – Darf man foulen?

Ich habe heute morgen einen Artikel bei der FAZ gelesen über Fair Play im Fussball. Konkret geht es um einen Kommentar zum vergangenen Sonntag, als Real Madrid den spanischen Supercup nach Elfmeterschießen gewonnen hat. Notwendig war allerdings ein absichtliches Foul von Fede Valverde. Wahrscheinlich hätte Morata sonst ein Tor machen können. Es gab Lob, Kritik und irgendwie habe ich auch meine Gedanken dazu.

Was war passiert?

Es war die Szene am vergangenen Sonntag, die auch noch heute die Leute beschäftigt. Fede Valverde foult 20 Meter vor dem Tor mit Absicht Alvaro Morata in der 115. Minute, als dieser völlig alleine auf das Tor zu läuft. Valverde fliegt, Real gewinnt im Elfmeterschießen. Ohne dieses Foul hätte Morata eine sehr gute Chance auf ein Tor gehabt. Anschließend gewinnt Real im Elfmeterschießen, da sie das 0:0 in der Verlängerung halten.

Ausgerechnet jener Valverde wird anschließend zum Man of the Match gekürt. Im angesprochenen Artikel wird unter anderem das kritisiert. Wer das Spiel allerdings gesehen hat, der stimmt mit der Entscheidung überein. Valverde wurde nicht wegen des Fouls „Man of the Match“, sondern weil er ein herausragendes Spiel gemacht hat. Seine Leistung war extrem stark und er ist allgemein ein großes Highlight von Real Madrid bisher in dieser Saison.

Ist es nun in Ordnung, dass Real Madrid sich selbst und auch Valverde für diese Aktion feiert? Rein sportlich geht der Sieg in Ordnung. Real Madrid war weder besser noch schlechter als Atletico Madrid. Ein Unentschieden ist das verdiente Resultat. In einem Finale geht das aber nicht, und so musste das Elfmeterschießen entscheiden. Dort ist es dann wie immer auch ein Glücksspiel.

Jeder hätte gefoult…

Wer sportlichen Teamwettbewerb betreibt wird mir vermutlich zustimmen, dass fast jeder das Foul begangen hätte. Der Gegenspieler ist durch, es ist ein Finale und Valverde hat getan, was getan werden musste. Er hatte keine Chance mehr auf den Ball und war zu weit entfernt ihn am Trikot zu ziehen. Es war für mich weder eine Grätsche in die Beine noch ein brutaleres Foul. Von einer verletzungsgefährdenden Aktion kann hier nicht die Rede sein. Aus meiner Sicht geht diese Aktion in Ordnung und es war nichts unfaires im Sinne eines Fouls an sich.

Das sich dann danach sofort ein Rudel bildet und die Spieler nach 115 Minuten intensivsten Sport emotionsgeladen im Finale echauffieren, ist völlig normal. Es blieb bei Wortgefechten und Sprüchen, einigen Schubsern. Es ist also nichts dramatisches passiert und das Spiel ging weiter. Die meisten Spieler von Atletico und Simeone, der Trainer von Atletico Madrid, stimmten überein, dass sie genau das selbe getan hätten. Es war nun einmal das Finale und man wollte gewinnen.

Was genau ist das Problem mit Fair Play?

Ich habe die Aktion für mich zunächst als erledigt betrachtet. Aus meiner sportlichen Sicht war das Thema durch. Ich habe mich natürlich über den Sieg gefreut und habe es auch gar nicht als unsportliche Aktion wahrgenommen. Allerdings musste ich dann erneut aufgrund des Artikels darüber nachdenken. Ist es noch „Fair-Play“, wenn man den Gegenspieler absichtlich foult?

Wenn man der Argumentation folgt, dann wäre jedes Halten absolut unsportlich. Und jedes halten oder Trikotzupfen wird auch laut Regel mit Gelb bestraft. Es ist also strafbar und genauso war es auch diese Notbremse. Aber gibt es einen Unterschied zwischen strafbarer Handlung und dem Fair Play Ansatz? Die Alternative wäre ja dann jetzt gewesen, dass Valverde ihn laufen lässt und Real Madrid unter Umständen verliert. Aber das ist keine echte Alternative und es ist für mich kein Unterschied, dass es in der Situation passiert ist und nicht etwa im Mittelfeld. Das Foul war weder brutal noch unfair.

Es ist für mich nicht zu verstehen, warum ein globaler Fair Play Gedanke mit dieser Situation verglichen wird. Diese Aktion qualifiziert sich nicht für Fair Play. Dieser Gedanke passt hier nicht rein für mich. Ja es ist ein absichtliches Foul, allerdings sind das die meisten Fouls. Viele Fouls, allen voran zum Beispiel das absichtliche Halten bei Kontersituationen, kämen dann hier in Frage. Somit wären aber extrem viele Spiele und am Ende auch Ergebnisse unsportlich und gegen den Fair Play Gedanken. Aber hier wird jetzt ein großes Fass aufgemacht und es geht um gesellschaftliche Verantwortung.

Woher die Aufregung?

Es ist klar, dass es in dieser Situation größer gemacht wird, als es ist. Es war halt ein Finale, es war gegen Real Madrid und es war in der Verlängerung. Aber es war an sich nichts außergewöhnliches, wenn man es auf die blanke Aktion reduziert. Als Sportler werden die meisten die Aktion vermutlich verstehen. Es ist klar, dass Fußball eine gesellschaftliche Verantwortung hat und im Fair Play ein Vorbild sein sollte. Aber sie sollten auch ein Vorbild sein, wenn es um Siegeswille und Opferbereitschaft geht.

Der junge Valverde hat blitzartig reagiert und die richtige Entscheidung getroffen. Wäre der Schrei auch so groß gewesen, wenn er ihn mittels Zupfer an der Mittellinie gestoppt hätte? In voller Geschwindigkeit sieht das Foul vielleicht böser aus, als es ist. Aber wie gesagt bringt er ihn nur zu Fall, er grätscht ihm nicht mit Schwung in die Beine. Selbst dann wäre es kein Fair Play Verstoß, gleichwohl aber ein brutales Foul gewesen und das will niemand sehen.

Was Fair Play für mich bedeutet

Wenn man den Fair Play Gedanken jetzt so hart anlegen will, dann stelle ich mal eine Frage im Raum…. Wäre es gegen das Fair Play gewesen, wenn Valverde und Morata auf gleicher Höhe sind und Valverde einen Muskelfaserriss bekommt und hinfällt. Morata zieht durch und erzielt das Tor. Wäre das nicht auch gegen das Fair Play?

Es geht hier immer noch um Sport und es soll gewonnen werden. Ein taktisches Foul, Fouls generell, sind kein Verstoß gegen das Fair Play sondern ein Teil des Spiels. Das soll natürlich nicht heißen, dass man um jeden Preis gewinnen soll und dafür alles tun kann. Aber dies war nun mal ein Foul und Teil des Spiels, so wie es sehr oft im Spiel passiert. So etwas wie Schwalben und Schauspielerei der Spieler sehe ich da deutlich kritischer. Ich halte es daher für unangebracht, diese Situation als Beispiel für unsportliches Verhalten zu missbrauchen. Da gibt es deutlich mehr und andere Beispiele, die sich dafür her geben.

Wie seht Ihr die Sache? Es ist klar, dass das Thema Fair Play im Fußball in einem deutlich größeren Rahmen diskutiert werden könnte und vielleicht auch sollte. Wir versuchen an einem Format zu arbeiten, um solche und andere Themen behandeln zu können. Schreibt uns gerne, was Ihr euch da vorstellt.

Frostmourne