Neuer Megaklub in der Hauptstadt – Hertha BSC will hoch hinaus

Der Hauptstadtklub Hertha BSC ist derzeit 12. in der Fußball Bundesliga, steht nach 17 Spielen bei 19 Punkten bei einem Torverhältnis von -7. Wenn man das so liest, klingt es fast schon ein wenig normal. So oder so ähnlich, vielleicht etwas besser, sah es die vergangenen Jahre aus bei der Hertha. Schon vor der Saison wollte man mehr, hat einiges verändert und trotzdem wieder das gleiche Ergebnis? Mitnichten, denn bei der Hertha hat sich einiges getan.

Offensiv oder Defensiv oder beides?

Die Saison fing hervorragend an unter dem neuen Trainer Ante Covic. Man erzielte ein gutes 2:2 bei den Bayern und auch die Spielweise wusste zu überzeugen. Aber anschließend konnte man mit der neuen Idee von Ante Covic nicht mehr richtig erfolgreich werden. Unter Pal Dardei war die oberste Priorität die Stabilität. Man wollte zunächst sicher stehen und ein geordnetes Spiel haben. Mit Covic wollte man sich verändern, mehr Ballbesitz und Kontrolle haben. Man hat versucht, eine dominantere Spielweise zu entwickeln.

Die Ergebnisse blieben dann aber aus und die Folge war keine gute für Covic. Er ist noch jung und es ist eine große Aufgabe, die „Alte Dame“ zu trainieren. Daher ließ er sich vermutlich von außen beeinflussen, wich von seiner Spielweise ab und versuchte irgendeine neue Art spielen zu lassen. Die gleiche Stabilität wie früher, aber dennoch etwas offensiver. Vielleicht mal hier ein anderes System, dann mal da ein paar Spieler tauschen. Am Ende kam nichts halbes und nichts ganzes raus und Covic ist selbst von seiner Überzeugung und Idee abgerückt.

So kam, was kommen musste und am 27.11.2019 war es dann soweit. Covic wurde nach einer erneuten Pleite, einem heftigen 4:0 gegen Augsburg, entlassen. Es gab einfach keine Argumente mehr für ihn und die Hertha musste in der Vergangenheit bereits 2 mal den Gang in die zweite Liga antreten. Dabei wollte man doch hoch hinaus und hatte größere Ziele.

Nach der mutigen kommt die große Lösung

Die Hertha will nach wie vor hoch hinaus und ein wirklich großer Name sollte neuer Trainer werden. Jürgen Klinsmann übernimmt den Trainerposten bis zum Saisonende. Er soll der Hertha neues Leben einhauchen, neue Dynamiken schaffen und die großen Ziele erreichen.

Zum Start gab es dann mal direkt eine Niederlage zu Hause, allerdings gegen den BVB mit 1:2. Die Leistung stimmte, die Mannschaft hatte gekämpft. Allerdings kann man gegen Dortmund auch mal verlieren. Aus den nächsten 4 Spielen folgten dann insgesamt 8 Punkte. Man hat es geschafft, sich zu stabilisieren und noch ein paar Punkte mitzunehmen. Eine wirkliche neue Idee konnte man nicht sehen, dass war aber auch in der kurzen Zeit nicht zu erwarten.

Jetzt aber wirklich – Volle Attacke

Die Ergebnisse und die Spielweise sind das eine, aber Klinsmann hat noch viel mehr mitgebracht. Neben ihm kamen auch Nouri und Feldhoff als Trainer. Zusätzlich soll kurzfristig Köpke als TW Trainer den Torhütern sofort helfen, vermutlich eher auf der mentalen Seite. Klinsmann hat keine Sekunde gezögert um neue Strukturen und Ansätze zu schaffen. Dazu wurde unter anderem Arne Friedrich als Performance Manager installiert.

Klinsmann dreht sofort jeden Stein um. Er verändert quasi alles, was zur ersten Mannschaft gehört. Egal ob es die Art des Trainings ist, die Art wie Spieler bewertet werden oder welche Idee er vom Spiel hat. Er ist dabei enorm eng in der Beziehung mit Lars Windhorst, welcher dem Verein eine ordentliche Summe Geld zur Verfügung stellt. Es ist also deutlich Raum für Aktionen dar und Klinsmann will diese auch nutzen.

Es wurde zum Beispiel in der Winterpause Ascacibar vom VFB Stuttgart verpflichtet. Ein sehr zweikampfstarker, giftiger Spieler mit viel Potenzial. Er soll Aggressivität ins Spiel bringen im defensiven Mittelfeld. Aber es sollen noch weitere Spieler kommen. Gerüchte gab es zu einem Granit Xhaka von Arsenal London, aktuell ist es Lucas Tousart von Lyon. Julian Draxler war ebenfalls in der Verlosung. Zur neuen Saison könnte ein Mario Götze ablösefrei zu haben sein. All die Namen spiegeln eins wieder…man will hoch hinaus.

Es wird sehr viel geredet über hohe Ziele

Ich persönlich bin nicht unbedingt der größte Fan von Jürgen Klinsmann, das war ich nie. Zumindest nicht nach seiner aktiven Karriere. Er hatte für mich immer den kleinen Hauch eines Besserwissers und das nur er die Welt richtig versteht. Das ist natürlich nur mein persönlicher Eindruck und vollkommen subjektiv. Rein objektiv muss ich ihm viele Erfolge attestieren. Das Sommermärchen 2006 ist zu sehr großen Teilen sein Verdienst. Er hatte beim DFB ebenfalls extrem viele Strukturen verändert und bis heute profitiert der deutsche Fussball davon.

Als er damals Trainer beim FC Bayern wurde, wollte er ebenfalls vieles verändern und neue Strukturen schaffen. Mir fällt da immer wieder der Buddha ein. Das einzige Problem war, dass er nicht die nötige Zeit bekommen hatte. Alle seine Maßnahmen und Strategien sind Langzeitprojekte. Da die kurzfristigen Erfolge ausgeblieben sind, hat er diese Zeit einfach nicht bekommen. Wir werden leider nie erfahren, ob es gut gegangen wäre. Die Änderungen waren für den FC Bayern mit dem großen Erfolgsdruck damals zu groß und ohne Ergebnisse aus Sicht der Bayernbosse war es besser ihn zu entlassen. Ein Fehler?

Ein Mann mit Visionen braucht Projekte

Denn jetzt hat Klinsmann ein neues Projekt und ich glaube der Zeitpunkt und die Umstände sind deutlich positiver für seine Ideen. Allerdings wird wirklich sehr viel über die Ziele und was man erreichen will gesprochen. Klar die mediale Aufmerksamkeit ist sehr hoch. Allerdings wird auch keine Gelegenheit ausgelassen, über die hohen Ambitionen zu sprechen.

Spieler von internationaler Klasse, mittelfristig gesichert in die Championsleague und langfristig dann um die Meisterschaft mitspielen. Kein geringeres Vorbild als der FC Liverpool wird angestrebt. Diese und ähnliche Aussagen kommen derzeit relativ häufig. Und sie kommen von jedem Mitglied des Trainerteams. Zum einen verdeutlicht es natürlich, dass man zusammen hohe Ziele hat und das alle das gleiche wollen. Zum anderen schafft es aber unfassbaren Erwartungsdruck und die Ergebnisse müssen kommen.

Erfolg braucht Zeit, die man nicht hat

Es ist an dieser Stelle völlig egal, dass man betont, dass es ein langfristiges Konzept ist. Diese lange und große Zeit ist schwer zu bekommen im Fussball. Auch bei Jürgen Klopp und Liverpool hat es 1-2 Jahre gebraucht, bis man wirklich ganz vorne dabei war. Allerdings wurden dort auch kurzfristig Erfolge gefeiert. Zusätzlich wurde natürlich auch sehr viel Geld in die Mannschaft gesteckt, aber das sehe ich als nachrangig an, denn die Spielweise und Philosophie steht bei Liverpool an erster Stelle.

Das soll heißen, dass Hertha in jedem Fall auch kurzfristig Erfolge braucht. Und ich glaube ein durchmogeln auf Platz 12 wie es jetzt aussieht wird nicht reichen. Der Druck von außen erhöht sich sofort und bei den hohen versprochenen Zielen wird jeder Misserfolg sofort ausgeschlachtet. Man kann dem Verein daher nur wünschen, dass sie auch dann ruhig bleiben und jeder seine Arbeit machen kann. Man hat bei Covic gesehen, was sonst passiert.

Was wird aus dem Megaklub?

Klinsmann und die Hertha reden gerade sehr viel, das habe ich schon betont. Man wird sehen, was dann am Ende dabei heraus kommt. Ich würde mir wünschen, dass etwas weniger geredet wird und etwas weniger darüber philosophiert wird, was man denn alles erreichen will. Es ist immer gut, sich hohe Ziele zu setzen und Stärke zu zeigen. Man muss dann nur mit den Konsequenzen leben. Aber ich glaube das wird mit einkalkuliert.

Das nicht alle genau wie Klinsmann darüber reden sieht man bei Michael Preetz, der erst kürzlich darauf hingewiesen hat, dass man die Ziele schon auch realistisch einschätzen muss. Böse Zungen könnten meinen, dass er schon jetzt auch um seinen eigenen Job fürchten muss und eigentlich eh nicht mehr viel zu melden hat. Allerdings kann ich das nicht beurteilen.

Alles in allem steht die Hertha vor einer extrem wichtigen Rückrunde. Ob die angepeilten Ziele und alle Maßnahmen greifen und greifen können in der Zukunft, wird sich auch in dieser Rückrunde entscheiden. Man wird kurzfristige Erfolge brauchen und man muss liefern, denn der selbst geschaffene Druck ist enorm. Geht alles gut, folgt im Sommer vermutlich eine große Transferoffensive. Dann müssen vermutlich sehr viele Spieler gehen und es werden sehr viele neue kommen.

Ich wünsche der Hertha alles gute und bin sehr gespannt, ob man den Mund am Ende nicht doch zu voll genommen hat. Mangelnde Zeit und Vertrauen sollte am Ende nicht der Grund sein, warum man die Ziele nicht erreicht. Zumindest ist das meine Hoffnung

Was denkt Ihr zur Hertha? Was geht da gerade ab?

Frostmourne

One Reply to “Neuer Megaklub in der Hauptstadt – Hertha BSC will hoch hinaus”

  1. Als Herthafan finde ich diesen Beitrag sehr gut. Er ist differenziert und man merkt dem Author an, dass er sich dem Thema objektiv annähern möchte, was ich hierbei als sehr positiv ansehe.

    Etwas mehr Tiefe und Details wären wünschenswert, wobei hier ganz sicher nicht nur das Oberflächliche betrachtet wird. Für einen Außenstehenden (nicht Hertha-Fan) ist dies eine lesenswerte und interessante Einschätzung und Perspektiven von Außen, konstruktiv zum Ausdruck gebracht, sind generell erfrischend und wohltuend.

    Danke!

    Ha Ho He

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